Erstellt von Ulla Arens

Landwirtschaftskolleg Paraguay: Ein Steyler kämpft für eine bessere Zukunft

Schüler steuern einen Traktor
Das Landwirtschaftskolleg San Benito verfügt über Schulgebäude und Ställe

Bäume und Wald sind die Ausnahme in der von Sojaplantagen geprägten Region | Foto: Armando Vega

Das Landwirtschaftskolleg San Benito in Paraguay hat dank Pater Joel Aranha eine beeindruckende Wendung genommen. Nach Jahren der Krise setzt der Steyler Missionar auf harte Arbeit, ökologische Landwirtschaft und die Förderung seiner Schüler, um das Kolleg zu neuem Erfolg zu führen. Der unermüdliche Einsatz von Pater Joel verändert das Leben der jungen Menschen und die Zukunft der Region

Im Südosten Paraguays bietet das Landwirtschaftskolleg und Internat San Benito eine dreijährige praxisnahe Ausbildung zum Agrartechniker – eine wertvolle Chance für Jugendliche aus ländlichen Regionen. Mit dem Abschluss steht ihnen sogar ein Studium offen, auch wenn sich das nur wenige leisten können. Häufig übernehmen die Steyler Missionare die Kosten für das Schulgeld, da viele Familien der Schüler und Schülerinnen Kleinbauern mit geringem Einkommen und wenig Landbesitz sind.

In einer Region, in der der Großteil der Flächen von ausländischen und nationalen Großgrundbesitzern dominiert wird, ist Bildung besonders wichtig. Diese nutzen das Land überwiegend für den großflächigen Anbau gentechnisch veränderten Sojas, das exportiert und als Tierfutter verwendet wird – auf Kosten der Umwelt und der kleinen Landwirtschaftsbetriebe.

San Benito ist in dieser strukturschwachen Gegend eine der wenigen Bildungseinrichtungen und das einzige Internat überhaupt. Viele der Schüler und Schülerinnen kommen aus bis zu 50 Kilometer entfernten Dörfern. Das Kolleg mit seinen 20 Hektar Ackerland, Viehweiden und Bäumen wirkt wie eine grüne Insel inmitten des eintönigen Sojameeres – ein Ort, der jungen Menschen Zukunftsperspektiven bietet und gleichzeitig ein Beispiel für nachhaltige Landwirtschaft setzt.

Vor sechs Jahren reiste Pater Joel Aranha SVD, der Sohn indischer Reisbauern, aus seiner Heimat an, um die Leitung zu übernehmen – obwohl er vor dieser Mission gewarnt wurde. Lange genoss die Schule, die seit 55 Jahren den Steylern gehört, einen hervorragenden Ruf. Doch durch Misswirtschaft wurde sie zu einer finanziellen Belastung. Sogar eine Schließung stand zur Diskussion. 

Durch die Arbeit von Pater Joel bekommt San Benito eine neue Chance

Pater Joel ist ein Macher, einer, der anpackt, Probleme löst. Und ist damit in San Benito genau richtig. „Ich habe hier quasi bei null angefangen“, erzählt er. „Jetzt haben wir 48 Kühe und über 150 ­Schweine. Inzwischen sind wir wieder Selbstversorger. Und was nicht verbraucht wird, verkaufen wir an unserem Straßenstand am Eingang zum Schulgelände oder in den Nachbargemeinden.“ Großen Absatz finden etwa die Ferkel, die gezüchtet werden und als Delikatesse gelten. Käse, Marmelade oder Brot – alles selbst hergestellt – sind ebenfalls beliebt.

Auch sonst hat sich einiges zum Besseren geändert: Den Gebäuden wurde ein neuer Anstrich verpasst, es gibt mithilfe von Spenden einen neuen Schweine- und Geflügelstall sowie einen dringend benötigten Computerraum. Neues Personal wurde eingestellt, inzwischen hat Pater Joel 19 Mitarbeiter. Mit seiner offenen, kommunikativen Art hat er dazu beigetragen, dass sich ein Wir-Gefühl entwickeln konnte. Für die Anliegen und Sorgen der Jungen und Mädchen hat er immer ein offenes Ohr. Er lässt sie an nationalen Wettbewerben zum Thema Landwirtschaft sowie an Sportwettkämpfen teilnehmen. Auch mit der Disziplin klappt es wieder. Es gelten klare Regeln. Wer sie zweimal bricht, muss gehen.

Ökologie ist ein wichtiges Thema in San Benito – und für Paraguay

In einem der Schulräume beschäftigt sich eine Klasse gerade mit dem Knochenbau einer Kuh, eine andere sitzt im Computerraum. Unterrichtet werden 18 Fächer, zu gleichen Teilen theoretisch und praktisch – vom Gemüseanbau über den Einsatz von Maschinen bis hin zur Viehzucht. „Auf ökologische Methoden wird dabei großer Wert gelegt“, betont Pater Joel, der sich selber inzwischen viel theoretisches und praktisches Wissen angeeignet hat. „Unseren Dünger etwa stellen wir selber her, organisch versteht sich.“ Ökologischer Anbau lohnt sich auch für die Schule, denn so kann sie ihre Produkte etwas teurer verkaufen.

Umweltschonende Landwirtschaft ist ohnehin ein wichtiges Thema, gerade in Paraguay – wo die riesigen Sojaplantagen mit umstrittenen, weil hochgiftigen Herbiziden wie Glyphosat behandelt werden. Abholzung und Monokulturen tragen zum Klimawandel bei, der sich in Paraguay durch lang anhaltende Dürren und heftige Regenfälle zeigt.

Am frühen Nachmittag geht es in die Felder, wo neben Salat und Gemüse auch Yerba-Mate, Zitrusfrüchte und Blumen angebaut werden. Während die Schüler, angeleitet von Fachkräften, ihrer praktischen Arbeit nachgehen, setzt sich Pater Joel wieder in seinen Jeep. Er ist viel auf den endlosen Straßen unterwegs. Weil er oft für Behördengänge in die weit entfernte Hauptstadt Asunción fahren muss. Und natürlich zu seinem „Zweitjob“ – als Priester der japanischen Gemeinde im 22 Kilometer entfernten Ort Pirapó.

Getrieben von großer Armut, wanderten nach dem Zweiten Weltkrieg viele Japaner nach Paraguay aus. Und weil Pater Joel während seiner Ausbildung einige Zeit in Japan verbracht hat, spricht er die Landessprache fließend. Vier Messen hält er am Wochen­ende und baut in Pirapó auch noch eine neue Kirche, weil die alte inzwischen zu klein und vor allem baufällig geworden ist.

Mit einem Achtstundentag ist all das nicht zu schaffen. Oft kommt er erst spätnachts nach Hause. Es scheint ihm nichts auszumachen. Im Gegenteil. „Ich finde meine Arbeit sehr befriedigend.“ Und vielleicht schafft Pater Joel es ja, seinen Traum zu verwirklichen: das San Benito Kolleg trotz aller Wi­drig­keiten zu einer der besten Landwirtschaftsschulen Paraguays zu machen.

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Paraguay – das Land der Sojapflanze

Paraguay zählt zu den ärmsten Ländern Südamerikas. Knapp 40 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, rund 18 Prozent in extremer Armut.

Laut Misereor kontrollieren 2,6 Prozent der Landbesitzer rund 86 Prozent des Bodens, während 92 Prozent der bäuerlichen Bevölkerung nur sechs Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen gehören.

80 Prozent der bebaubaren Fläche in Paraguay sind mit Soja bedeckt, ein Großteil der Ernte geht als Viehfutter nach Europa.

Spenden

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Deutschland
Steyler Mission
IBAN DE77 3862 1500 0000 0110 09
BIC GENODED1STB
Stichwort LJ2504SB

Schweiz
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IBAN CH16 0900 0000 9001 3192 2
Kennwort Landwirtschaftsschule Paraguay

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